Durch das ländliche Rajasthan

80 km von Bahratpur über Bayana nach Mahwah, dann 125 km Transfer nach Jaipur

Von Martin

Unsere Guides Kuldeep und Linus verstanden es perfekt uns ein großes Stück über Nebenstraßen zu führen.  Traumhafte Fahrt für einen, der in der Landwirtschaft aufgewachsen ist. An meine Kindheit wurde ich öfters erinnert, als ich durch kleine Straßendörfer fuhr, wo beidseitig der schmalen Straße, Bauernhöfe standen. Die Arbeit der Frauen besteht aus Holz sammeln, Wasser tragen und aus der Hinterlassenschaft der Kühe und Büffel runde Fladen zu kneten und zum Trocknen in die Sonne zu legen. Bei dieser wichtigen Arbeit werden der Schmuck und Armreife nicht abgelegt. Am nächsten Tag werden die Fladen zu kunstvollen Türmen geschichtet und äußerlich noch verziert. Eukalyptus und Mangobäume säumen den Weg und betören uns mit ihrem Duft. An ihren Stämmen sind die Tiere mit kurzen Stricken angebunden und genießen den Schatten. Kleine unreife Weizenfelder, abgeerntete Gerstenfelder und Rapsfelder wechseln sich ab. Alles wird von Hand mit der Sichel geschnitten – überwiegend von Frauen. Beim Raps wird erst der Fruchtstand geschnitten und zum Dreschplatz getragen, dann werden die Stengel geschnitten und von Frau in großen Bündeln nach Hause getragen – dort werden sie als Feuerholz genutzt. Am Dreschplatz arbeiten Männer mit uralten, halbautomatischen Maschinen vom Traktor angetrieben und trennen Korn vom Spreu. Auch Kichererbsen, Gerste und Leinsamen werden so gewonnen. Die Spreu wird mit kleinen Wagen, in denen große Tücher hängen, meist mit Kamelen, vom Feld gefahren und zum Sammelplatz gebracht, wo dann große LKWs die Spreu weitertransportieren. Rhizinus- und Arnisplantagen erreichen wir gegen Mittag auf unserem Weg. Auch Kleefelder, die von Frauen geschnitten werden, und hinter ihnen die Silberreiher auf einen fetten Brocken wartend, stechen mit ihrem dunkelgrün heraus.

Hausschweine, die sich in Wasserlöcher suhlen, Mungus, die kleinen Schlangen oder Echsen suchen, Papageien schreien und streiten um gute Sitzplätze, Eisvogel lauern auf den fast ausgetrockneten Flussläufen auf Beute.

Es ist jetzt Trockenzeit, die Blätter fallen teilweise ab und viel Staub und Sand säumen unseren Weg. Mopedfahrer mit Milchkannen beladen, sammeln die Milch beim Bauern und bringen die selbige zur Molkerei. Schafherden kommen uns entgegen, sie werden von kleinen Eseln begleitet, wo das ganze Hab und Gut auf ihrem Rücken lastet. Die Leute sind überaus freundlich, winken uns vom weiten zu (auch die Frauen haben keine Scheu), alle grüßen und wünschen uns eine gute Fahrt.

Ein traumhafter Abstecher in die Welt der Bauern war dieser Vormittag bei 40° Grad im Schatten für mich. Nach 80 km war alles vorbei und wir fuhren wieder auf die 4spurige Autobahn nach Jaipur. Nichts mehr ist freundlich, nur noch Hetze, Gehupe und Smog. Der Traum ist ausgeträumt.

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One comment on “Durch das ländliche Rajasthan

  1. Hallo, Linu Schlüter
    ich suchte eine Rhizinustaude für meinen Predigttext zum Buch Jona, Kapitel 4!
    Beim Bilder-googeln fand ich ihren blog und ein sehr schönes “Rhizinus”-Bild.

    Meine Frage ist, ob ich Sie mir einen Ausschnitt davon (ohne Datum) für meinen kleinen Bericht
    genehmigen würden.

    Auf Ihr hoffentlich “grünes” Licht wartend verbleibe ich
    mit freundlichen Grüßen
    Uta Henstch (AhuvaIsrael)

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