Königsetappe

Von Gevas nach Tatvan 105 Km, 1050 Hm

Nach unserer gestrigen “Einroll-Etappe” geht es Heute wieder richtig knackig zur Sache.
Unsere Strecke führt über einen Pass von immerhin 2200 Metern und über 100 Kilometer sind zu bewältigen. Unser Newcomer Martin aus Lübeck schlägt sich tapfer, Irina macht das Ganze ganz locker und selbst unser türkischer Reiseleiter Cezmi fährt bis auf “extrem” steile Stücke fast alles.
Es ist super Radelwetter, gestern hatten wir am Nachmittag viel Wind und Regen, umso mehr geniessen wir diese “Königsetappe” durch wunderschöne Landschaft.
Schon um 15 Uhr sind wir  im Hotel in Tatvan. Wir nutzen den Spätnachmittag und unternehmen noch einen schönen Ausflug per Bus zu einen nahegelegenen Kratersee der schöne Ausblicke auf  Tatvan und die umliegenden Berge bietet.

Die Insel

Von Van nach Gevas 40 Km, 100 Hm

Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet in unserem Hotel Uratu radeln wir am See entlang.
Es sind heute nur 40 Kilometer bis nach Gevas, trotz ausgiebiger Teepause sind wir schon am Mittag dort.
Gegenüber der Bootsablegestelle zur Insel Akdamar essen wir fast alle endemischen Fisch gegrillt aus dem Van-See, etwa so groß wie Sardinen.
Dann setzen wir hinüber zur Insel Akdamar etwa 3 Kilometer vom Ufer entfernt. Die Insel ist berühmt wegen der orthodoxen Kirche und Kloster aus dem 10. Jahrhundert. Die Kirche des heiligen Kreuzes ist ein kleines Juwel, sie besitzt wunderschöne Reliefs aus dem alten Testament an den Aussenmauern. Für die armenischen Christen ist sie ein ganz wichtiges Heiligtum. Lange zeit war sie geschlossen und ist erst wieder seit kurzem geöffnet.
In Gevas gehen wir Verpflegung einkaufen, der Ladenbesitzer und seine Brüder sind sehr freundlich, wie werden zum Tee eingeladen, dann holt er noch seine Gitarre hervor. Hans schlägt in die Saiten, Martin singt die schwäbische Eisenbahn und wir machen den Chor. Der Ladenbesitzer spielt uns dann auch noch ein schönes Lied vor, was uns dazu bewegt gleich für den Abend Grillfleisch bei ihm zu kaufen. Gegrillt wird im Garten von unserem Hotel direkt am See.

Burgen und Burgen

Van Stadt

Van liegt zwar am Van-See, doch das Zentrum ist etwa 5 Kilometer entfernt vom See.
Van ist schon eine modere Stadt, leider sind fast alle Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden durch ein Erdbeben vor erst einem halben Jahr. Dementsprechend gibt es viele leerstehende Häuser, Abriss- und Bauarbeiten. Jeder kann am Morgen die Stadt auf eigene Faust erkunden. Sehenswert ist die Burg Van.
Nach der Mittagszeit unternehmen wir einen schönen Ausflug mit Bus zu der 50 Kilometer entfernten Burg Hosap Kalesi südöstlich von Van gelegen. Die Burg liegt sehr imposant oberhalb eines Flusses, die Grundmanifeste gegen zurück auf die Zeit der Uratäer (ca. ab 1300 v. Chr.). Die Burg wurde im 17. Jahrhundert nochmal großartig von einen lokalen kurdischen Stammesfürsten unter osmanischer Herrschaft ausgebaut. Nach der Besichtigung machen wir eine schöne Teepause unter Bäumen am Fluss. Auf der Rückfahrt halten wir noch bei Cavustepe, wo ein Palast des Königs von Uratu auf den Felsrücken lag. Durch die Keilschrift die die Uratäer schon besaßen weiß man,dass der Palast von König Sardur II. im 800.  Jhdt. v. Chr. erbaut wurde. Die großen Felsenböcke im Fundament sind erstaunlich glatt behauen und fast Millimeter genau eingepasst! Die Anlage thront über einer Fruchtbaren ebene und bietet gigantische Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Berge.

Willkommen daheim - Das Fest!

Eine halbe Weltreise muss entsprechend gefeiert werden. Am 14.07.2012 kommen unsere Weltenradler in Nürnberg an, am 15.07.2012 wollen wir sie gebührend begrüßen.
Ab 15:30 Uhr beginnt die Feier mit einem Diavortrag über die Tour. Ab 17:30 Uhr gibt es dann was auf die Ohren und in den Mund: Fränkisches Buffet nach Art des Hauses, Chinesischen Rock unplugged mit dem Alptraum der Roten Kammer und kultige Straßenmmusik von den Lokalmatadoren La Boum.

Ort: Kulturgarten im K4, Königstr. 93, 90402 Nürnberg

Eintritt 12 Euro inkl. reichhaltigem Buffet

Wir würden uns auf jeden Fall freuen, Euch als Gäste begrüßen zu können. Wer Lust hat, kann am nächsten Tag auch ein paar Stunden oder Tage mit der Gruppe Richtung London radeln.

Anfragen und Anmeldungen bitte an info(at)hongkong-london.de

Der Van-See

Von Muradiye (Caldiran) nach Van 85 Km, 550 Hm

Da unser Hotel kein Frühstück bietet gehen wir gegenüber der Straße in ein typisches türkisches Lokal und bekommen dort Honig, Butter, Frischkäse, Ei und Oliven, Martin und Robert essen sogar eine süße Torte. Alles Lecker!
Wir fahren zurück mit den Bus nach Muradiye und starten von dort mit unseren Rädern.
Wir sind noch nicht lange auf dem Rad und schon bekommen wir eine kleine Dusche, doch das war es noch nicht mit dem Regen, eine bedrohliche schwarze Wolke hängt genau dort wo wir hinwollen. Unerschrocken radeln wir weiter und werden zum ersten mal richtig nass bis auf die Socken seit Monaten. Die Temperatur fällt von 17 auf 7 grad, Petrus hat erbarmen und nach ca. 10 Kilometern haben wir das Gewitter durchfahren. Die Sonne kommt wieder heraus und der Van-See – er ist vier mal so groß wie der Bodensee – erstrahlt im schönsten Türkis, er toller Kontrast zum azurblauen Himmel. Cezmi, unser türkischer Reiseleiter und alter Bekannter von der “Eulentour” 2008, radelt immer stückweise mit uns, er will sich erstmal etwas “einfahren”.
In Van angekommen treffen wir schon Irina im Hotel, seit Hongkong dabei, hat sie den Oman und Iran ausgesetzt, und wird nun bis Deutschland durchfahren. Neu dabei ist Martin (unser zweiter Martin) aus Lüneburg, er wird uns bis Istanbul begleiten.

Höhenprofil

Noahs Arche

Von Dogubeyazit nach Muradiye 92 Km, 1050 Hm

Wir haben Glück, der biblische Berg Ararat (5137 Meter) zeigt sich am Morgen wolkenlos. Eingekleidet in sein weißes Kleid wirkt dieser erloschene Vulkan wirklich majestätisch. Man kann in der Nähe  des  Ararat auch die Stelle besichtigen wo die Arche gestrandet sein soll, aber der Ort ist wohl relativ unspektakulär und wir müssten dafür zurückfahren Richtung Grenze. Wir radeln hingegen südlich von Dogubeyazit auch über einen relativ hohen Vulkan, der Tendürek Dagi, der Pass den wir überqueren liegt auf 2644 Meter und ist somit der höchste Punkt überhaupt auf unserer Tour seit Muscat. Heino (74 Jahre alt) erstaunt wiederum, er fährt die 900 Höhenmeter am Stück mit einer Leichtigkeit, die kaum zu glauben ist! Ich nenne ihn das „Puls-wunder“
Auf der Strecke passieren wir viele kleine Dörfer, die Kinder sind etwas aufdringlich, sie stehen am Straßenrand und schreien “ Money, Money“, die Hunde (manche groß wie Kälber) sind nicht weniger aufdringlich, und versetzen mach´ einen von uns in schrecken.
In Muradiye angekommen klappt es dort leider nicht mit der Übernachtung, es gibt dort kein richtiges Hotel, sondern nur eine Art staatliches Hotel und das ist ausgebucht. Wir verladen unsere Räder und fahren 25 Kilometer zurück nach Caldiran und bekommen dort die Möglichkeit in einem ebensolchen zu übernachten.

Unterwegs halten wir noch an einem Wasserfall mit Lokalität, wir lassen uns dort ein richtiges  BIER  schmecken, nach gut einem Monat der Abstinenz.

Höhenprofil

Iran, es war schön!

Von Maku nach Dogubeyazit 60Km (gefahren 15 Km, 150 Hm), Grenzüberschreitung

Es sind so an die 2500 (tatsächlich geradelte) Kilometer und an die 20000 Höhenmeter die wir allein durch den Iran gefahren sind. Wir hatten gerade mal nur zwei Plattfüße und zwei Stürze, die beide glimpflich ausgegangen sind. Die Koga Räder haben beide Stürze fast unbeschadet überstanden, bis auf eine kleine Acht im Hinterreifen, was aber nicht weiter verwundert, wenn der Hintermann im Feld das Rad nochmal überfährt. Ansonsten sind die Bikes, ab und zu etwas Kettenöl, nur so dahin geschnurrt.
Fast einen Monat waren wir im Iran unterwegs und wir haben uns absolut sicher und frei gefühlt.
Ich denke, der Iran hat bei uns allen die Erwartungen weit übertroffen und keiner von uns und kann im nach hinein Ängste verstehen nicht in dieses wunderschöne und Kultur trächtige Land zu Reisen.
Die freigiebige Gastfreundschaft, die neugierige aber nicht aufdringliche Art der Iraner, die Hilfsbereitschaft, auch wenn man sich nicht auf einer Sprache verständigen konnte, die Herzlichkeit und der Humor, all das haben den Iran zu einen tollen Erlebnis gemacht.
Wir haben uns im Iran, wie Hans meinte „Pudelwohl“ gefühlt.
An der Grenze verabschieden wir uns nun endgültig von David unserem Reiseleiter, er hat in vielen schwierigen Situationen Geduld und Freundlichkeit nie verloren und immer eine gute Lösung gefunden. Bei den Sehenswürdigkeiten hat er uns aufs Beste informiert.
An der Grenze klappt alles ohne Probleme, treffen dort sogar eine chinesische Radgruppe die auch nach London unterwegs ist!

Was wir vorher nicht wussten, ist, dass es einen Zeitunterschied gibt zwischen dem Iran und der Türkei von eineinhalb Stunden. Unser Türkischer Reiseleiter wundert sich natürlich als wie ihm sagen, dass er ja zu spät sei,- er ist pünktlich, nach türkischer Zeit!
Wir versuchen ab der türkischen Grenze mit den Fahrrad zu fahren, doch leider ist das Wetter alles andere als schön, auch der über 5000 Meter hohe Berg Ararat zeigt nur seinen „Sockel“. Schließlich fängt es so stark an zu regnen, dass wir aufgeben.

Den Nachmittag nutzen wir um den osmanischen Izak Pascha Palast aus dem 17. Jahrhundert zu bewundern, eindrucksvoll liegt er auf einer Anhöhe. Der Palast war der wichtigste und zweitgrößte nach den Topkapi Palast in Istanbul, und kontrollierte die ganze Region Ost-Anatolien.

Höhenprofil

Der erste Märtyrer

Von Jolfa nach Maku 145 Kilometer, 1000 Hm

Von Jolfa aus radeln wir direkt westlich am Grenzfluss Aras entlang. Es ist ein wunderschönes Flusstal, nach ca. 17 Kilometern, nochmal steil bergan erreichen wir das orthodoxe Kloster St. Stephanus*, Weltkulturerbe seit 2008, nachdem man es wieder renoviert hat. Bereits in 10. Jahrhundert war es ein bedeutendes Kloster, 1917 wurde es von den Türken in Brand gesteckt und nur teilweise genutzt. Kloster und Kirche sind heute noch ein wichtiger Wallfahrtsort für die Christlichen Armenier.

Weiter geht’s immer am Grenzfluss entlang, drüben in Azerbaijan verläuft die Eisenbahnlinie, es sind einige Militärkontrollen unterwegs, Hans muss ein Foto löschen von seiner Kamera unter Aufsicht des Soldaten; offenbar ist die Lage zwischen dem Iran, Azerbaijan und Armenien immer noch etwas angespannt.

Die Etappe ist lang heute, eigentlich hatten wir schon geplant die Räder vor Maku zu verladen, doch wir haben gut Druck auf der Pedale und erreichen Maku um 18:00 Uhr.

Morgen geht es an die Grenze. Wir bedanken uns schon einmal ganz herzlich nach dem Abendessen bei unserem Reiseleiter David, Busfahrer Mohammed und unserem “singenden” Pick-Up Fahrer Madji. Sie haben uns wirklich super betreut!

*Heiliger Stephanus, erste Märtyrer unter den Christen

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Die Silberrücken

Von Tabriz nach Jolfa 145 Km (gefahren 100 Km, 700 Hm)

Wir wollen uns nicht in den den chaotischen Stadtverkehr von Tabriz stürzen und fahren erst mal ein Stück auf der Autobahn nach Sufiyan. Dort entladen wir unsere Räder von Pick-Up.

David überrascht uns, er hat sich eine komplette Radgarnitur gekauft, Helm und andere kleinere Accessoires hat er noch von Reinhold als Geschenk bekommen. Am Anfang fährt er wie der Teufel, rast allen davon, schließlich lassen die “Silberrücken” sich nicht mehr ärgern und holen zum Gegenschlag aus. Nach 50 Kilometern steigt er um in den Bus, er wäre noch sooo gerne weiter geradelt, aber er muss ja noch einkaufen!

Schon um 15 Uhr nach einer gemütlichen Mittagspause im Stadtpark von Jolfa (danke an Reinhold und Beat, dass sie die Süßigkeiten an der Rezeption gelassen haben, sie schmecken uns sehr gut!) sind wir am Hotel.

Jolfa liegt direkt an der Grenze nach Azerbaijan. Shah Abbas der Große hat Anfang des 17. Jahrhunderts den ganzen Ort nach Isfahan entführt, da sie die besten Handwerker waren. Noch heute gibt es das christliche Viertel Jolfa in Isfahan, die Jugend geht dort gerne aus, weil es dort liberaler zugeht. Ansonsten hat Jolfa heute wenig zu bieten, man kann einen kleinen Spaziergang über den Bazaar machen, oder die Grünanlagen etwas genießen.

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Abschied in Tabriz

Tabriz und Umgebung

Am Morgen fahren wir mit dem Bus ins 50 Kilometer entfernte Kandovan und besichtigen die in den Fels geschlagenen Tuffstein- Behausungen, auch bei den Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Noch heute leben dort die Leute in ihren Steinhäusern.
Am Nachmittag besuch der blauen Moschee in Tabriz, gebaut 1465, bei einem Erdbeben 1727 zerstört und erst ab 1951 liebevoll restauriert. Sie besitzt wunderschöne blaue Majoliken. Danach schauen wir uns noch das naheliegende Museum an, jeder genießt dann noch etwas Freizeit, ein Teil geht auf den Bazaar.

Am Abend laden Reinhold unser Liechtensteiner und Beat unser Schweizer zum Abendessen ein, sie fliegen morgen von Tabriz über Tehran nach Hause…,wir sind alle traurig, es war eine tolle gemeinsame Zeit!

Eine kleine Kolumne – von Reinhold Ospelt

Morgen müssen uns unsere zwei Fahrradkollegen, der Beat aus der Schweiz und der Reinhold aus Liechtenstein leider verlassen.
Sie waren mit ihrem schweizer und liechtensteiner Dialekt eine angenehme Ergänzung zu unserem Hochdeutsch, schwäbischen und bayrischen Dialekt. Der 65 Kg schwere Beat war der schnellste den Berg hinauf und der 85 Kg schwere Liechtensteiner war der schnellste den Berg hinunter. Der Liechtensteiner wäre liebend gerne mit uns noch weiter bis nach Istanbul geradelt, aber wenn das Vaterland ruft und der Fürst befiehlt, dass dieser Mann nach Hause kommt, so sind auch die Einwände des mächtigen Deutschland chancenlos.
Der Liechtensteiner möchte sich auch noch bei seinen deutschen Radfahrkollegen bedanken, dass sie immer so besorgt um ihn waren, damit er ja nicht verloren ging. Es genügte nämlich, dass er selber dauernd etwas suchte, das er verloren hatte. Der Verlust eines Liechtensteiners für das kleine Fürstentum wäre gleichzusetzen , wie wenn 2000 deutsche Landsleute in der iranischen Wüste spurlos verschwinden würden.
Der Reinhold war der beste Botschafter seines Landes und er war immer maßlos enttäuscht, wenn er keinen Wimpel von Liechtenstein in der Hotelhalle vorfand. Als Rache dafür hat er das ganze Land mit seinen Werbe-Aufklebern voll gepflastert, worauf geschrieben stand:“ Pech gehabt, der 1. Liechtensteiner war schon hier, Reinhold Ospelt aus Vaduz“. Wir nehmen gerne wieder einen Liechtensteiner mit auf die Reise,- er müsste nur die gleiche Freundlichkeit und Humor haben; dafür nehmen wir auch die ersten Anzeichen von Demenz gerne in Kauf.